Unser Mikrobiom



Was genau ist unser Mikrobiom?

Was sagt die Mikrobiomforschung?

Welche Faktoren stören unser Mikrobiom?

Welches sind die zwei dominierenden menschlichen Bakterienstämme?


Auf diese Fragen möchte ich im folgenden Beitrag eingehen.


Ein vielfaches mehr Mikroben als eigene Körperzellen leben in und auf uns und sorgen für unsere Gesundheit.


Es ist also keineswegs nötig, Angst vor Bakterien zu haben. Wir leben schon seit unserer gesamten Menschheitsgeschichte eng mit ihnen zusammen und wenn wir ihnen die richtige Lebensgrundlage bieten, dann arbeiten sie mit guten Absichten für und nicht gegen uns.


So unterstützen unsere Darmbakterien eine gute Verdauungsfunktion, unser Immunsystem, unseren Stoffwechsel und auch unsere Stimmung.


Eine ausgewogene und möglichst vielfältige Darmflora schützt uns vor verschiedenen Krankheiten.

Und genau da «krankt» unsere westliche Gesellschaft- nämlich im Untergang der Artenvielfalt.

Eine reduzierte Artenvielfalt in unserem Darm ist mit verschiedenen Erkrankungen assoziiert.

Durch unseren Lebensstil und unsere Ernährungsweise nehmen immer mehr hilfreiche Bakterienstämme ab, so dass sich andere Stämme verbreiten, die dann in ihrer Überzahl mehr Schaden anrichten als sie uns guttun.

Was genau ist das Mikrobiom?

Als Mikrobiom wird die Gesamtheit aller mikrobiellen Gene im menschlichen Organismus bezeichnet.


Der Mensch verfügt über 23'000 Gene- das Mikrobiom hingegen umfasst ca. 3 Millionen Gene. Das sind also rund 150-mal mehr als unsere menschlichen Gene.

Da wundert es wohl wenig, dass wir durch unser Mikrobiom stark beeinflusst werden, oder?

Das gesamte Mikrobiom im menschlichen Körper wiegt ca. 2-2,5 kg




Die Mikrobiomforschung

Bei der Mikrobiomforschung wird der Einfluss unseres Mikrobioms in Bezug auf unsere Gesundheit, aber auch in Bezug auf ihren Einfluss bei der Entstehung von Krankheiten und auch ihrer Bedeutung bei der Therapie von Krankheiten untersucht.

Viele verschiedene Erkrankungen sind mit einer verminderten Vielfalt und einer Dysbalance unserer Mikrobioms verknüpft, dies zeigt die aktuelle Forschung zunehmend.

Daher ist es für unsere Gesundheit von großer Bedeutung, unsere Darmbakterien in großer Artenvielfalt und in gesunder Balance zu halten.

Man schätzt, dass ca. 1.500 verschiedene Arten von Mikroorganismen unseren Darm besiedeln. Die meisten davon sind friedlicher Natur und überaus nützlich für uns. Diese Bakterien bedecken wie ein dichter Rasen die Schleimhäute des Dünn- und Dickdarms und sorgen dafür, dass es uns gut geht.


Wir benötigen ca. 2 Jahre wenn wir auf die Welt kommen, bis unser Mirkobiom «ausgewachsen» ist.


Die Prägung bei der Geburt- durch den Kontakt des Säuglings mit der mütterlichen Vaginalflora – ist eine wichtiger Schritt hin zu einem gesunden Mikrobiom. Ein Fehlen dieser Erstbesiedelung wird in Zusammenhang gebracht mit diversen Erkrankungen im Erwachsenenalter wie Übergewicht, aber auch Allergien sowie Autoimmunerkrankungen.

Ein Drittel unserer Darmbakterien ist bei allen Menschen ähnlich, zwei Drittel sind für jeden einzelnen charakteristisch – es ist wie ein mikrobieller Fingerabdruck.

Unser Mikrobiom verändert sich im Laufe unseres Lebens – dies ist abhängig von verschiedenen Umweltfaktoren.

Und genau hierin liegt die Chance: das Mikrobiom kann relativ schnell und sehr direkt positiv beeinflusst werden- insbesondere über unsere Ernährungsweise.

Als besonders wichtige Vertreter der Darmflora gelten Milchsäurebakterien, wie z.B. Laktobacillen, Bifidobakterien sowie auch Enterokokken. Das Gleichgewicht der letzgenannten ist wichtig für die Immunfunktion im Sinne der IgA vermittelten Schleimhautabwehr.


Gerade bei Allergien und Immunschwäche ist dieser Bakterienstamm oft vermindert und es lohnt sich einen genaueren Blick auf ihn zu werfen.


Bakterien können für uns nützlich sein oder schädlich, je nachdem in welcher Anzahl sie vorkommen und wo- also im Dünn-oder Dickdarm -sie sich befinden.


So produzieren beispielsweise E.coli Bakterien das enorm wichtige Vitamin B12 für uns, nimmt es aber überhand, dann führt es zu Durchfällen oder wenn sie in die Harnröhre gelangen, können sie Blasenentzündungen verursachen.


Welche Faktoren stören die Vielfalt des Mikrobioms?

  • Einseitige, unausgewogene Ernährung: z.B. Fast Food, Fertigprodukte mit Zusatzstoffen zu viel Zucker, Soft- und Energy-Drinks, zu viel Alkohol, industriell verarbeitete Pflanzenöle

  • Lebensstil Rauchen, Schlaf, (Schicht)Arbeit

  • Schlechte Essgewohnheiten Esskultur: zu viel, zu oft, zu schnell, zu schwer, zu spät, zu sauer

  • Bestimmte Medikamente, wie z.B. Antibiotika, Abführmittel, Magensäureblocker, Beruhigungsmittel, Cholesterinsenker, Antibaby-Pille, Schmerzmittel

  • Übertriebene Hygienemaßnahmen

  • Magen-Darm-Infekte

  • Chronische Erkrankungen

  • Stress

  • Bewegungsmangel

Die moderne westliche Ernährung sowie unser moderner Lebensstil mit manchmal übertriebenen Hygienemaßnahmen und die damit verbundene Zunahme von Immun- und Stoffwechselkrankheiten scheinen mit einer geringeren Artenvielfalt der Mikrobioms zu korrelieren.


In verschiedenen Studien werden vermehrt zusammenhänge zwischen dem Zustand unserer Darmflora mit dem erhöhten Risiko für bestimmte Beschwerden und Erkrankungen untersucht wie beispielsweise:

  • Antibiotika-bedingte Durchfälle

  • Reizdarmsyndrom

  • Chronisch entzündliche Darmerkrankungen ( Morbus Crohn, Colitis Ulcerosa)

  • Allergien und Neurodermitis

  • Nahrungsmittelunverträglichkeiten

  • Infektanfälligkeit

  • Übergewicht


Um gesund zu bleiben, ist es also sehr wichtig, auf die mikrobielle Vielfalt im Darm acht zu geben und dafür zu sorgen, die Vielfalt zu erhalten.

Dies gelingt durch eine abwechslungsreiche, pflanzenbetonte, biologische und naturbelassene Ernährungsweise.


Grundsätzlich kann die menschliche Darmflora in zwei Gruppen eingeteilt werden:


Bacterioidetes und Firmicutes.


Menschen mit einem hohen Anteil an Firmicutes- Stämmen sind sehr gute Nahrungsverwerter. Sie zeichnen sich dadurch aus, dass sie gewisse Nahrungsmittel

(insbesondere Kohlenhydrate) vollständig verdauen können- wohingegen diese bei anderen Menschen einfach ausgeschieden würden.


Bei Menschen mit überwiegend Firmicutes - Bakterien verringert sich die Stuhlmenge, der Darm wird so weniger «herausgeputzt» und das Risiko für bestimmte Darmerkrankungen steigt.


Gleichzeitig nimmt man bei gleicher Nahrungszufuhr mehr Kalorien auf, was es für diese Menschen schwieriger macht, das Gewicht zu halten und nicht zuzunehmen.

Ein weiterer Nachteil einer hohen Menge an Firmicutes Bakterien ist die Produktion von entzündungsfördernden Substanzen, die das Immunsystem triggern und so zu leichten, aber chronischen Entzündungszuständen führen können.


Im Gegensatz dazu verwerten Bacterioides- Bakterien die Nahrung schlechter, so dass Menschen mit einem hohen Anteil dieses Bakterien Stammes weniger Gewichtsprobleme ,eine grössere Stuhlmenge und einen gereinigteren Darm und somit eine bessere Voraussetzung für eine optimale Darmflora haben.


Bacteriodetes Stämme produzieren ausserdem immunregulierende und entzündungshemmende Substanzen.


Beim Thema Gewichtsregulation kann es sinnvoll sein diese Bakterienstämme einmal unter die Lupe zu nehmen.


Ideal ist ein Verhältnis Bacterioidetes zu Firmicutes von 1:1.


Bei vielen Menschen mit Übergewicht kann das Verhältnis bis 1:2000 verschoben sein.


Durch richtig gewählte Nahrungsmittel und gezielte Nahrungsergänzung lässt sich dieses Verhältnis optimieren.


So lassen sich Firmicutes Bakterien durch das Vermeiden von zu viel Zucker und stärkehaltigen Nahrungsmitteln wie Getreide verringern, wohingegen Bacterioides Stämme durch zelluläre,pflanzliche Nahrungsfasern, wie sie vorallem in Obst und Gemüse vorkommen in ihrer Zahl zunehmen.


Dadurch kann nicht nur das Gewicht besser reguliert werden, auch

entzündliche Prozesse im Darm können so minimiert werden, was sich wiederum die Gesunderhaltung aller Körpersysteme auswirkt und insbesondere unser Immunsystem entlastet.