Blutzuckerungleichgewichte


Blutzuckerschwankungen begünstigen chronische Erkrankungen und behindern deren Heilung


In diesem Beitrag geht es um Blutzuckerprobleme, sei es, dass der Blutzucker reaktiv, chronisch niedrig, zu hoch ist oder zwischen diesen Extremen schwankt.

Symptome beider Zustände sind nicht ungewöhnlich, da der Blutzucker bei vielen Betroffenen steil ansteigt und dann wieder stark abfällt – wie eine Fahrt auf der Achterbahn.


Die Abhängigkeiten von Zucker, Fertignahrung und einer auf reichlich Getreide beruhenden Ernährungsweise bringt viele so genannte «Kohlenhydratsüchtige» hervor, deren tägliche Blutzuckerschwankungen genau dieser Achterbahnfahrt gleichen.

Die Prognose, dass jedes nach dem Jahr 2000 geborene Kind in Industrieländern im Laufe seines Lebens an Diabetes erkrankt verwundert nicht, wenn wir den Konsum an raffinierten Zucker Kopf pro Jahr betrachten, was sich in Europa auf circa 50Kilogramm beläuft (in Amerika sind es 90 Kilogramm). Menschen können unmöglich erfolgreich behandelt werden, solange sie sich weiterhin so stärke- und so kohlenhydratreich ernähren.


Tatsache ist, dass Diabetes Typ 2, der früher als Altersdiabetes galt, bereits Kinder und junge Erwachsene betrifft.


Auf Industriezucker möglichst zu verzichten und die Kohlenhydratemenge an den individuellen Bedarf anzupassen um damit Blutzuckerschwankungen zu verhindern und den Blutzucker besser zu steuern, ist die Voraussetzung, um chronische Gesundheitsprobleme nachhaltig überwinden zu können und damit Stimmung, Immunsystem und Hormone in einer guten Balance zu bringen.

Betrachtet man die Geschichte der Menschheit, lässt sich in nahezu allen Perioden beobachten, wie unser Körper sich darauf eingestellt hat, Hungerzeiten zu überstehen, in denen zuckerhaltige Nahrungsmittel rar waren. Der Körper hat Strategien, Energie aus anderen Quellen zu nutzen. Diese wieder zu nutzen und Energie z. Bsp. wieder aus der Verbrennung von Fett zu generieren und den Stoffwechsel so flexibel zu halten, ist eine der wichtigsten Strategien, um wieder metabolisch flexibel zu werden, um wieder zu einem ausgeglichenen Energieniveau zu gelangen.

Für viele Menschen ist das aber äusserst schwierig geworden, da sie unter massiven Blutzuckerschwankungen leiden mit sogenannten reaktiven Hypoglykämien (reaktive Unterzuckerungszustände, postprandiale Hypoglykämie).


Im Zustand dieser massiven Disglykämien kann der Körper den Blutzucker nicht stabil halten.

Der Blutzucker fährt ständig Achterbahn und dieser Prozess ist für das heftige Verlangen nach Kohlenhydraten und Zucker verantwortlich, das uns häufig überfällt


Diesen massiven Blutzucker- und Insulinschwankungen haben einen enormen Einfluss auf unsere Nebennieren (dort werden die Stresshormone produziert) und sind der Ausgangspunkt zahlreicher gesundheitliche Störungen.


Viele Fachleute im Gesundheitswesen messen einem stabilen Blutzuckerspiegel kaum Bedeutung bei, insbesondere, wenn der Nüchternblutzuckerspiegel im Normbereich liegt. Bei Patienten ist es nicht ungewöhnlich, dass ihnen Psychopharmaka und Schlafmittel verschrieben oder sie mit einer Depression oder bipolaren Störung „etikettiert“ werden. Es ist auch nicht ungewöhnlich, dass die Betroffenen nach einer alternativen Behandlung suchen und sich mit zahllosen Nahrungsergänzungen überschütten lassen, während die Bedeutung von Blutzuckerschwankungen, die mit der Ernährung und Lebensweise einhergehen vollkommen ignoriert wird.


Wenn der Blutzuckerspiegel nicht stabilisiert wird, gefährdet das die Energieversorgung des Gehirns und es kommt zu unausgeglichenen chemischen Prozessen im Gehirn, die schlussendlich zu psychischen und auch kognitiven Beeinträchtigungen führen.


Da Glucose (Zucker) die Hauptenergiequelle des Gehirns ist, ist ein stabiler Blutzucker lebenswichtig für gesunde, ausgeglichene chemische Prozesse im Gehirn sowie zur Vorbeugung von neurodegenerativen Erkrankungen wie Demenz.


Bei instabilen Blutzuckerwerten gelangt nicht genügend Glukose ins Gehirn, es kommt zu einer schlechteren Gehirnfunktion. Man sieht das, wenn Menschen mit Unterzuckerung „abstürzen“ oder «wegtreten“, sie werden benommen, wackelig und reizbar, wenn sie zu lange nichts essen - ihr Gehirn bekommt nicht ausreichend Energie für seine Arbeit.


Ein stabiler Blutzucker ist auch für die Bildung von Nervenbotenstoffen (Neurotransmittern) im Gehirn notwendig. Die starken Blutzuckerschwankungen, mit denen ein unausgewogener Blutzuckerspiegel einhergeht, können zu einem veränderten Stoffwechsel der Nervenbotenstoffe führen und die Bildung und Funktion derer im Gehirn stören.


Ein niedriger Blutzuckerspiegel fördert das Anfluten stimulierender "Kampf- oder Flucht-Hormone" aus den Nebennieren: Adrenalin und Noradrenalin.


Ein hoher Blutzuckerspiegel fördert wiederum Anflutungen von Serotonin (unser Gelassenheitshormon) und GABA (ein Nervenbotenstoff, der das Gehirn beruhigt).

Ein klassisches Beispiel dafür ist die Überproduktion von Serotonin und GABA nach dem Verzehr von Nudeln, Kartoffeln, weissem Reis oder einer anderen stärkehaltigen Mahlzeit, sie verändern die Stimmung sowie die Gehirnfunktion und machen oft schläfrig. Das erklärt auch zum Teil, warum stärkehaltige Nahrungsmittel aus neurologischer Sicht als „Wohlfühlfutter“ gelten.


Durch Disglykämien kommt es zu Entzündungen des Vertrauenstrakt, zur Schwächung der Immunbarrieren des Darms, der Lungen und des Gehirns sowie zu einer Erschöpfung der Nebennieren.

Es werden auch die Voraussetzungen für hormonelle Schwankungen geschaffen (PMS, PCOS oder Wechseljahrbeschwerden). Es kommt zur Behinderung der Entgiftungsbemühungen des Körpers, zu einer Störung des Fettsäure Stoffwechsels sowie zu einer generellen Verlangsamung der Stoffwechselrate und zu einer Unterfunktion der Schilddrüse. Man konnte auch nachweisen, dass Insulinprobleme Autoimmunprozesse wie beispielsweise die Zerstörung von Schilddrüsengewebe bei Hashimoto verschlimmern kann.



Welche Symptome von Blutzuckerproblemen gibt es?


Unterzuckerungssymptome: Reaktive Hypoglykämie


Wirst du zwischen den Mahlzeiten oder wenn du zu lange nichts isst reizbar, wackelig, benommen, nervös oder wütend? Der Grund hierfür ist, dass der Blutzucker zu stark absinkt und das Gehirn keine Energie mehr erhält.


Bei idealen Blutzuckerwerten bleiben Energie und Stimmung zwischen den Mahlzeiten ausreichend erhalten.


  • Hast du Schwierigkeiten, morgens eine Mahlzeit einzunehmen oder überhaupt zu essen?

  • Ist dir morgens übel ?

  • Wirst du zwischen den Mahlzeiten oder wenn du zu lange nichts isst reizbar, wackelig, benommen, nervös oder wütend?

  • Sinkt dein Energiepegel nachmittags ab und lässt dich zu Süssigkeiten und Kaffee greifen?

  • Wirst du mitten in der Nacht wach, sagen wir gegen 3 und 4 Uhr morgens und bist voller Energie oder Angst?

  • Lässt deine Konzentration zwischen den Mahlzeiten nach oder brauchst du Kaffee oder etwas Süsses, um weiterarbeiten zu können?


Das alles sind Symptome eines niedrigen Blutzuckerspiegels, einer sogenannten Hypoglykämie.


Eine reaktive Hypoglykämie beschreibt den Zustand bzw. die Reaktion des Körpers auf ein zu starkes Absinken des Blutzuckerspiegels als Reaktion nach dem Konsum von (zu) grossen Mengen an Zucker.

Die Folge ist Blutzuckerabfall ca. 2-3 h nach einer Mahlzeit.

Dazu führen nicht nur offensichtlicher Zucker aus Süssigkeiten, sondern auch Zucker in weniger offensichtlicher Form wie in Nudeln oder Brot (ja, auch Vollkorn!) welche den Blutzuckerspiegel rasch ansteigen lassen. Dieser schnelle Anstieg sorgt dafür, dass

die Bauchspeicheldrüse eine sehr grosse Menge an Insulin ausschüttet, um den Zucker möglichst schnell aus dem Blut in die Zellen zu bringen. Der Körper wählt diese Strategie, weil zu viel Zucker im Blut gefährlich für die Gefässe und den Sauerstofftransport wäre.


Als Reaktion darauf fällt der Blutzuckerspiegel zu stark ab und unsere Kampf- oder Flucht-Hormone aus der Nebennieren Adrenalin und Cortison werden zu Unterstützung angefordert, um den Blutzucker wieder zu erhöhen, weil eine zu starke Unterzuckerung akut lebensbedrohlich wäre.

Das Problem ist nur, dass diese Hormone auch Stress verursachen.

Jedes Mal, wenn das geschieht - und bei vielen Menschen geschieht das jedes Mal, wenn sie etwas essen - werden die nützlichen Funktionen wie eine gesunde Verdauung, ein intaktes Immunsystem, ein ausgeglichener Hormonhaushalt und auch die Schilddrüsenfunktion vernachlässigt.


Ständige starke Hypoglykämiene stehen oft in direktem Zusammenhang mit einer Nebennierenschwäche, das heisst, die Nebennieren bilden nicht genügend Cortisol.

Cortisol, ein Hormon, das uns hilft, mit Stress zurechtzukommen, ist für den Anstieg des Blutzuckerspiegels verantwortlich, wenn er zu weit absinkt, wie das bei einer ausgeprägten Hypoglykämie der Fall ist.

Ist der Cortisolspiegel jedoch niedrig, weil die Nebennieren erschöpft sind, kann der Körper den Blutzucker nicht auf ein gesundes Niveau anheben.

Es kommt zu den bekannten Symptomen, man fühlt sich wackelig, benommen und reizbar. Jetzt ist es notwendig, etwas zu essen, damit der Blutzucker wieder auf einen Wert steigt, damit es nicht zu einer Gefährdung der Energieversorgung des Gehirns mit all seinen Folgen kommt.


Bestimmte Nährstoffe und eine Umstellung der Ernährung haben sich bei Menschen mit Hypoglykämie als sehr förderlich erwiesen. Zusätzlich können sich Nährstoffe, die den Abbau von Cortisol verzögern, ebenfalls positiv auswirken, da der Cortisolspiegel bei vielen Menschen mit einer Hypoglykämie tendenziell niedrig ist und der Körper, wie du bereits weisst, den Blutzuckerspiegel nicht von alleine anheben kann.


Fällt der Blutzuckerspiegel beim Gesunden ab, wie zum Beispiel nachts, schütten die Nebennieren natürlicherweise Cortisol aus. Dadurch wird der Abbau des in der Leber und im Muskel gespeicherten Glykogens ausgelöst und Glukose freigesetzt. Ist jedoch der Cortisolspiegel niedrig, kann es nicht zu einem ausreichenden Glykogenabbau kommen, um den Blutzuckerspiegel anzuheben. Stattdessen schütten die Nebennieren Adrenalin und Noradrenalin zur Unterstützung aus.


Das sind die bekannten „Kampf-oder-Flucht-Hormone", die dafür sorgen, dass man um 3 Uhr morgens voller Angst aufwacht oder es einem morgens übel ist (falls es dafür keinen anderen Grund gibt).


Wenn die Bauchspeicheldrüse aufgrund massiver Blutzuckerspitzen zu viel Insulin ausschüttet (durch viel Getreide, Süssgetränke, Gebäck, Nudeln) sinkt der Blutzuckerspiegel sehr stark und wenn wir dann eine Mahlzeit zu spät oder gar nicht bekommen, dann leiden wir unter einer ganzen Reihe an äusserst unangenehmen Symptomen:


  • eventuell kurzfristiger Energieanstieg nach den Mahlzeiten

  • starkes Verlangen nach Süssem zwischen den Mahlzeiten

  • Reizbarkeit und Benommenheit

  • Abhängigkeit von Kaffee und Zucker als Energielieferanten

  • Essen gegen die Müdigkeit

  • Betroffene fühlen sich wackelig, kribbelig oder zittrig

  • Betroffene fühlen sich fahrig und nervös

  • Betroffene sind leicht aus der Fassung zu bringen und werden eventuell aggressiv

  • Schlechtes Gedächtnis, Vergesslichkeit

  • Sehstörungen

  • Kopfschmerzen, Schwindel


Typisch für Menschen, die an einer so genannten reaktiven Hypoglykämie leiden sind Ermüdungs- und Erschöpfungszustände oftmals schon vormittags, aber insbesondere am Nachmittag gegen 15:00 oder 16:00 Uhr.


Die reaktive Hypoglykämie ist ein Frühstart in Richtung Insulinresistenz, was ein Vorbote von Diabetes und weiteren gesundheitlichen Problemen ist.


Reaktive Hypoglykämie versus chronische Hypoglykämie


Der typisch reaktive Hypoglykämiker isst sehr kohlenhydrat- und zuckerreich, braucht Koffein, um seine Leistung zu bringen, hat Heisshunger auf Süsses und Schwierigkeiten, morgens wach zu werden und Nacht durchzuschlafen. Dieses Problem kann durch eine Ernährungsumstellung relativ leicht gelöst werden. Andere Menschen hingegen sind bereits grundsätzlich hypoglykämisch und ein Nüchternblutzuckertest deckt auf, dass sie einen chronisch niedrigen Blutzucker haben. Eine schlechte Ernährung, eine Nebennierenschwäche, eine Unterfunktion der Schilddrüse oder Nebenwirkungen von Medikamenten sind meist dafür verantwortlich. Zu den Symptomen gehören Müdigkeit, geistige Verwirrung, Lethargie und Kopfschmerzen. Menschen, die unter chronischer Hypoglykämie leiden, haben bereits das Stadium überschritten, in dem sich eine normale Blutzuckerfunktion rein über eine Ernährungsumstellung wiederherstellen lässt. Die Nebennieren- und Schilddrüsenfunktion muss dann zusätzlich intensiv therapeutisch unterstützt werden. Die chronische Hypoglykämie steht in direktem Zusammenhang mit allen Formen einer Funktionsstörung der Hirnanhangdrüse (Hypophyse).


Die Hypophyse sitzt in einer knöchernen Vertiefung an der Schädelbasis und ist für die Steuerung des Hormonsystems verantwortlich. Wie schon erwähnt, belasten ständige Blutzuckerschwankungen die Nebennieren massiv. Diese hemmen dann ihrerseits wieder diese Hypophysenfunktion. Diese Funktionsstörung wiederum wirkt sich negativ auf die Gesundheit insbesondere von Schilddrüse und Geschlechtshormondrüsen aus.


Glycyrrhizin, ein Bestandteil der Süssholzwurzel und andere gezielt ausgewählte Mikronährstoffe können den Cortisolabbau nachweislich verzögern, sodass es länger im System verbleibt und den Blutzuckerspiegel stabil hält. Bei Menschen, deren Hypoglykämie durch einen niedrigen Cortisolspiegel verursacht wird, kann das hilfreich sein.

Natürlich sind auch andere Interventionen wie Verbesserung der Schlafqualität und Entspannungstechniken sowie moderate Bewegung möglichst in der freien Natur sehr wichtig.



Insulinresistenz: Hoher Blutzucker = Hyperglykämie




  • Fühlst du dich nach dem Essen müde, brauchst du dann Zucker oder etwas Süsses oder ein Aufputschmittel wie Kaffee?

  • Hast du Probleme mit dem Abnehmen und ist dein Taillenumfang grösser als dein Hüftumfang?

  • Musst du häufig Wasser lassen oder hast du vermehrt Durst oder Appetit?

All das sind Symptome und Warnzeichen einer Insulinresistenz.

Wer an einer Insulinresistenz leidet, fühlt sich nach dem Essen normalerweise schläfrig und muss sich unter Umständen sogar hinlegen. Es kann aber auch zu einem unbändigen Verlangen nach Zucker kommen, sodass ein Nachtisch unbedingt sein muss (und das Problem verschlimmert). Die Betroffenen bemerken, dass sie vermehrt um die Körpermitte zunehmen und klagen oft über Schlafstörungen.

Eine Insulinresistenz befindet sich auf der anderen Seite Blutzuckerspektrums, nämlich dann, wenn der Blutzuckerspiegel chronisch zu hoch ist.

Das ist häufig bei einer sehr kohlenhydratreichen Ernährung in Kombination mit einem überwiegend sitzenden Lebensstil der Fall.

Eine Insulinresistenz ist Bestandteil des metabolen Syndroms, ein Symptomkomplex gekennzeichnet durch chronisch erhöhte Blutzuckerwerte, Übergewicht, Bluthochdruck und schlechte Blutfettwerte.


Normalerweise sorgt Insulin für den Zuckertransport in die Zellen zur Energiegewinnung. Die ständige Freisetzung von Insulin bei chronisch erhöhten Blutzucker führt dazu, dass die Einschleusung von Zucker in die Zellen nicht mehr möglich ist.

Reagieren die Zellen nicht mehr ausreichend auf das Hormon Insulin, dann wird viel mehr Insulin benötigt, um dieselbe Reaktion zu erreichen. Ist eine Zelle sehr unempfindlich geworden auf Insulin, dann spricht man von INSULINRESISTENZ. Insulinresistenz ist die häufigste Störung des Kohlenhydratstoffwechsels des modernen Menschen.


Eine Insulinresistenz entsteht nicht über Nacht. Aber wenn der Grossteil der Ernährung aus einer Fülle von schnell aufgenommenem Zucker und Kohlenhydraten wie Brot, Nudeln etc. besteht, werden die Zellen langsam unempfindlich gegen Insulin. Insulin funktioniert wie ein Schlüssel🔐, welcher die Zellen aufschliesst, damit der Zucker hineingelangen kann.

Wenn die Zellen unempfindlich gegenüber Insulin werden, «klemmt das Schloss» sozusagen - der Zucker kann nicht mehr in die Zellen eingeschleust werden.

Die Bauchspeicheldrüse muss dann immer mehr Insulin produzieren, um die gleiche Arbeit zu tun im verzweifelten Bemühen, den Zucker aus dem Blut zu entfernen und wenigstens noch eine kleine Menge in die Zellen zu bringen.


Der ständig erhöhte Zucker im Blut - und in der Folge auch Insulinspiegel - verursacht Entzündungen, verschiebt den Hormonspiegel und bringt die Nervenbotenstoffe aus dem Gleichgewicht – das führt zu Problemen wie Schmerzen, hormonellen bedingten Störungen und Beeinträchtigungen der Psyche und des Gedächtnisses.


Bleibt Glukose weiter im Blut, weil wir weiter Zucker und Kohlenhydrate essen, wählt der Körper den Ausweg, dass er vermehrt Glukose über die Nieren ausscheidet, wodurch wir dann vermehrt Wasser lassen müssen.

Nach vorsichtigen Schätzungen leiden bereits 25-35 % der Bevölkerung in den industrialisierten Ländern an einer mehr oder weniger ausgeprägten Insulinresistenz.

Oft sind diese Menschen übergewichtig und haben einen grösseren Bauchumfang. Das muss aber nicht sein. Auch dünne Menschen -sogenannt "dünne Dicke"- können von einer Insulinresistenz betroffen sein.


Diese Menschen werden als "TOFI" bezeichnet, was soviel wie "Thin Outside Fat Inside" bedeutet.

Der Begriff TOFI wurde von Jimmy Bell am am Imperial College in London geprägt. Bell nutzte die MRT-Diagnostik, um Körperfett der innere Organe zu messen. "TOFI'S" sind demnach äusserlich recht schlanke Menschen, haben eventuell einen leichten Bauchansatz, einen erhöhten Körperfettanteil und im Gegensatz dazu wenig Muskelmasse. Entscheidend ist: sie weisen Symptome eines metabolen Syndroms auf, da sie vermehrt viscerales Fett haben.


Viszeralfett (Organfett) umgibt die lebenswichtigen Organe in Brust und Bauchraum.

Menschen die äusserlich schlank wirken, weil sie kaum äusseres Bauchfett haben und auch sonst nicht Übergewichtig sind - also einen normalen BMI haben, aber einen hohen Organfettanteil aufweisen, haben genau das gleiche Risiko für Bluthochdruck, Herzerkrankungen und Diabetes Typ 2 wie übergewichtige Menschen.


Symptome einer Insulinresistenz:

  • Müdigkeit nach den Mahlzeiten

  • Allgemeine Müdigkeit

  • Ständiger Hunger, auch wenn ausreichend gegessen wurde

  • Verlangen nach Süssem, aber keine Besserung nach dem Verzehr

  • Verlangen nach Süssem insbesondere nach den Mahlzeiten

  • Taillenumfang wird grösser

  • Mühe mit Gewichtsabnahme

  • Häufiges Wasserlassen auch nachts

  • Schwierigkeiten mit dem Abnehmen

  • Diffuse Schmerzen

  • Bei Frauen: Symptome des erhöhten männlichen Hormons Testosteron (Akne, vermehrte Gesichtsbehaarung, Haarausfall, PCOS⁣ (Polizystisches Ovarialsyndrom))

  • bei Männern: vermehrte Bildung von Östrogen (Brustansatz, breitere Hüften, auch das Bindegewebe wird "weicher" und vermehrtes Prostatawachstum)

Menschen mit einer Insulinresistenz haben häufig erhöhte Spiegel des Stresshormons Cortisol, so dass über Entspannungstechniken und gezielte Verabreichung von cortisolsenkenden und

-ausgleichenden Mikronährstoffen wie B-Vitaminen, Magnesium, Zink und adaptogenen Kräutern wie Ashwaganda, Rhodiola und Ginseng etc. regulierend unterstützt werden kann.


Die Zahl der Menschen in der Bevölkerung, die an einer Insulinresistenz leiden, nimmt dramatisch zu - klar bedingt durch unseren inaktiven Lebensstil und unsere westliche Ernährungsweise mit einem Überangebot an schnell verfügbaren Kohlenhydraten.


Insulinresistenz ist ein "Sprungbrett" für Diabetes. Genaugenommen handelt es sich bei Insulinresistenz um eine Vorstufe von Diabetes, die man in der Fachsprache als Prädiabetes bezeichnet.


Die Insuilinresistenz bzw. das metabole Syndrom ist der Vorbote von diversen Erkrankungen, die wir als sogenannte Zivilisationskrankheiten kennen wie Diabetes, Herzerkrankungen, Schlaganfall, Demenz.

Auch für hormonelle Störungen wie das Polizystische Ovarial Syndrom (PCOS), welches ein häufiger Grund für unerwünschte Kinderlosigkeit ist, ist eine Störung im Insulin und Zuckerstoffwechsel massgeblich mitbeteiligt.



Welche Blutwerte sind relevant?


Dein Nüchternblutzuckerspiegel sollte weniger als 80mg/dl sein und dein Nüchterninsulinspiegel weniger als 5uIU/ml.


Die meisten Ärzte messen den Insulinspiegel nicht - dabei wäre die Relation, in der diese beiden Werte zueinander stehen von grosser Bedeutung, weil dadurch das das Risiko für eine Insulinresistenz ermittelt werden kann.


Bei dieser Berechnung spricht man auch vom "HOMA-Index". Die Abkürzung "HOMA" steht für Homeostasis Model Assessment.

Zur Bestimmung des HOMA-Index wird eine Blutprobe im nüchternen Zustand benötigt. Aus dieser werden die Werte für den Blutzucker und für das Hormon Insulin erfasst. In Abhängigkeit davon, ob der Blutzuckerwert in mg/dl oder in mmol/l angegeben wird, werden die Werte in eine bestimmte Formel eingesetzt. Das Ergebnis wird anschließend mit einer Skala verglichen, die Aufschlüsse über das Risiko einer Insulinresistenz gibt.


HbA1C

HbA1c ist ein wichtiger Laborwert, der einen Rückschluss auf die Blutzuckereinstellung der letzten acht bis zwölf Wochen gibt - man spricht auch vom 3monats- Zuckerwert.

Der HbA1c Wert sollte bei weniger als 6% liegen, idealerweise nicht höher als 5,2%.


Tipp: bei erhöhten HbA1C Werten sollte zusätzlich zur Ernährungsumstellung Vitamin C und Q10 eingenommen werden,


Blutfettwerte

Triglyceride: idealerweise unter 100mg/dl oder sogar unter 70mg/dl

LDL Cholesterin: idealerweise unter 100mg/dl

HDL Cholesterin: idealerweise über 50mg/dl

Verhältnis Triglyceride zu HDL: unter 2:1, bei mehr als 3:1 liegt mit grosser Wahrscheinlichkeit eine Kohlenhydratunverträglichkeit vor


Zur Erhöhung der Sensibilisierung von Zellen für die Insulinaufnahme (so dass sie wieder empfindlicher werden gegenüber dem Hormon Insulin und dadurch wieder mehr Zucker (Glucose) aus dem Blut in die Zellen gelangen kann) haben sich eine Umstellung der Ernährungsweise sowie verschiedene Kräuter und Nährstoffe als sehr wirksam erwiesen, auf die ich in einem nächsten Blogartikel noch eingehen werde.

Auch eine Veränderung des Lebensstils mit mehr Bewegung und gezielten Entspannungstechniken ist enorm wichtig.

Die Kombination aus Hypoglykämie und Insulinresistenz


Hypoglykämie und Insulinresistenz schliessen sich nicht gegenseitig aus. Wer das eine hat, hat sehr wahrscheinlich bis zu einem gewissen Grad auch das andere. So oder so, beide sind ein Zeichen für einen nicht stabilen Blutzucker, der entweder zu niedrig oder zu hoch ist oder zwischen beiden Zuständen schwankt. In jedem Fall kommt es zu Insulinanflutungen, die auch andere Körpersysteme in Mitleidenschaft ziehen.


Wie bereits weiter oben erwähnt, haben massive Blutzucker- und Insulinschwankungen einen enormen Einfluss auf unsere Nebennieren (dort werden die Stresshormone produziert) und sind der Ausgangspunkt zahlreicher gesundheitliche Störungen.

Durch ständige Disglykämien kommt es zu Entzündungen des Vertrauenstrakt, zur Schwächung der Immunbarrieren des Darms, der Lungen und des Gehirns sowie zu einer Erschöpfung der Nebennieren.

Es werden auch die Voraussetzungen für hormonelle Schwankungen geschaffen (PMS, PCOS oder Wechseljahrbeschwerden), es kommt zur Behinderung der Entgiftungsbemühungen des Körpers, zu einer Störung des Fettsäurestoffwechsels sowie zu einer generellen Verlangsamung der Stoffwechselrate und zu einer Unterfunktion der Schilddrüse. Man konnte auch nachweisen, dass Insulinprobleme Autoimmunprozesse wie beispielsweise die Zerstörung von Schilddrüsengewebegewebe bei Hashimoto verschlimmern kann.


Die Behandlungsstrategien und insbesondere welche Nahrungsergänzungen man braucht und zu welchem Zeitpunkt diese eingesetzt werden sollen, muss genau und differenziert abgewogen werden.

So kann zum Beispiel Unterstützung gegen die Insulinresistenz nötig sein, um die Zellen zur Aufnahme von Insulin zu sensibilisieren und vielleicht ist zwischen den Mahlzeiten oder vor dem Zubettgehen etwas gegen die Hypoglykämie notwendig, damit der Blutzucker nicht zu stark abfällt.


Ungeachtet dessen, ob der eine oder der andere Zustand vorliegt, muss die Ernährung grundlegend verändert werden, wovon am Endes dieses Beitrags die Rede sein wird. Alle Kräuter und Nährstoffe dieser Welt können nicht in vollem Umfang unterstützend wirken, solange nicht die nötigen Veränderungen vorgenommen werden, hin zu einer blutzucker- und stresshormonregulierenden Ernährungs- und Lebensweise.


Die wichtigsten Punkte nochmals zusammengefasst:


  • Glucose ist die Hauptenergiequelle des Gehirns; eine stabiler Blutzuckerspiegel ist unverzichtbar für eine gesunde, ausgewogene Gehirnchemie und somit Psyche.

  • Ein Ungleichgewicht von Blutzucker und Insulin kann zu einer veränderten Stimmungslage führen. Es ist deshalb nicht ungewöhnlich, dass Menschen mit Störungen des Blutzuckerstoffwechsels Psychopharmaka und Schlafmittel verschrieben bekommen oder mit dem „Etikett“ einer Depression oder bipolaren Störung versehen werden. Wird der Blutzuckerspiegel nicht stabilisiert, gefährdet das die Energieversorgung des Gehirns und die Gesundheit des ganzen Körpers.

  • Eine Hypoglykämie geht oft auch mit einem niedrigen Cortisolspiegel (= Nebennierenerschöpfung) einher, während bei einer Insulinresistenz der Cortisolspiegel oft hoch ist.

  • Chronisch erhöhte Blutzucker- und Insulinspiegel führen zu einer Insulinresistenz, welche der Vorbote der meisten Zivilisationskrankheiten wie Diabetes, Herzinfarkt, Schlaganfall, Demenz und Krebs ist.

  • Manche Menschen leiden sowohl an Anzeichen und Symptomen einer Hypoglykämie als auch einer Insulinresistenz.

  • Eine kohlenhydratärmere Ernährung mit ausreichen Fett und Protein und das meiden unverträglicher Nahrungsmittel verhindert Blutzuckerschwankungen, Energieabstürze, Entzündungen und Degenerationsprozesse. Sie ist unverzichtbar für die Gesundheit unseres Immunsystems, unserer hormonellen Systeme und unserer Psyche.